Wie bewerten Sie aktuell die MINT-Bildungslandschaft in Bayern im Zusammenspiel schulischer und außerschulischer Akteure?
Bayern hat hier eine echte Stärke: Wir denken MINT nicht nur im Klassenzimmer, sondern als Gemeinschaftsaufgabe. Unsere Schulen leisten dabei hervorragende Arbeit und gleichzeitig sorgen Schülerlabore, Makerspaces, Medienzentren und engagierte Partner aus der Wirtschaft dafür, dass aus trockener Theorie echte Begeisterung wird. Mit unseren MINT-Regionen und dem MINTraum bayern vernetzen wir diese Angebote jetzt noch besser. Denn am Ende entscheidet oft genau diese Begeisterungsfähigkeit darüber, ob aus einer guten Mathenote später eine Ingenieurin, ein KI-Entwickler oder ein erfolgreicher Gründer wird. Als Digitalministerium haben wir dabei eine klare Mission: Wir wollen aus Konsumenten der Technologien von heute die Gestalter der Technologien von morgen machen. Denn die Zukunft wird nicht von denen geschrieben, die Apps nur herunterladen, sondern von denen, die sie entwickeln.
Welche Rolle spielt das Bayerische Digitalministerium dabei, junge Menschen auf eine zunehmend digitale und technologiegetriebene Zukunft vorzubereiten?
Für mich ist Digitalpolitik immer auch ein wichtiger Teil moderner Bildungspolitik für das 21. Jahrhundert. Deshalb investieren wir in Bayern nicht nur Plattformen und Rechenzentren, sondern genauso in digitale Kompetenzen. Mit „Wo ist Goldi?“ für Grundschüler, Schüler-Programmierkursen namens BayCode, BayFiD für unsere weiblichen Digitaltalente, NextGen4Bavaria für junge Unternehmer oder Projekten wie XR@school, unseren XR-Classrooms und der Makerspace-Initiative bringen wir junge Menschen früh mit Zukunftstechnologien in Berührung. Bayern soll nicht nur das Land der Dichter und Denker sein, sondern auch das Land der Entwickler und Erfinder. Wir sind überzeugt: Wer heute digitale Kompetenzen vermittelt, stärkt morgen unseren Wohlstand und unsere Wettbewerbsfähigkeit.
Außerschulische Lernorte wie Makerspaces oder Schülerlabore gewinnen zunehmend an Bedeutung. Welches Potenzial sehen Sie in solchen praxisnahen Lernumgebungen?
Ein Makerspace ist für mich ein Ort, an dem aus Neugier Innovation wird. Dort darf man ausprobieren, scheitern und neu denken – und genau so entsteht Fortschritt. Gleichzeitig werden dort die Fähigkeiten vermittelt, die morgen zählen: Kreativität, Teamgeist, technisches Verständnis und der Mut, Probleme auf neue Art zu lösen. Schließlich beginnen die spannendsten Ideen oft nicht mit einem perfekten Businessplan, sondern mit einem 3D-Drucker, einem Lötkolben oder einer verrückten Idee. Innovation entsteht selten am Reißbrett, meistens beginnt sie mit der einfachen Frage: „Was passiert eigentlich, wenn …?“ Dieser Frage geben Schülerlabore und Makerspaces einen Raum, unter dessen Dach sie gezielt gestellt wird.
In vielen Regionen Bayerns haben sich starke lokale MINT-Netzwerke entwickelt. Wie kann die Zusammenarbeit zwischen MINT-Regionen, Makerspaces und weiteren lokalen Leuchtturmprojekten gestärkt werden?
Bayern ist auf vielen Feldern deshalb stark, weil wir in Netzwerken denken. Genau deshalb haben wir mit unserer Makerspace-Pilotinitiative in Höchstädt gemeinsam mit UnternehmerTUM und den Jungen Tüftlern untersucht, wie Schulen und außerschulische Lernorte optimal zusammenwirken. Unser Ziel ist es, erfolgreiche Modelle sichtbar zu machen, Akteure zusammenzubringen und Innovation schneller in die Fläche zu tragen. Nicht jede Region muss das Rad neu erfinden, manchmal reicht es, wenn man weiß, wer es bereits gebaut hat. Gerade im digitalen Zeitalter gilt: Zusammenarbeit ist der Keilriemen im Innovationsmotor.
Junge Menschen erwerben in Makerspaces oft wichtige Zukunftskompetenzen – etwa Problemlösung, Kreativität oder technisches Verständnis. Wie können solche Kompetenzen sichtbarer und stärker anerkannt werden?
Die Arbeitswelt von morgen fragt immer weniger: „Was hast du auswendig gelernt?“ Sie fragt vielmehr: „Welche Probleme kannst du lösen?“ Makerspaces fördern genau diese Fähigkeiten: Kreativität, Eigeninitiative, Teamarbeit und technisches Verständnis. Deshalb wollen wir solche Zukunftskompetenzen noch stärker im Unterricht verankern. Ob dafür wirklich immer zusätzliche Zertifikate nötig sind, muss die Schulpolitik entscheiden. Für mich ist entscheidend, dass junge Menschen die Chance bekommen, ihre Talente praktisch zu entfalten. Ein selbst gebauter Roboter sagt manchmal mehr über das Potenzial eines jungen Menschen aus als drei Klassenarbeiten.
Vor kurzem haben Sie den Bayerischen Digitalpreis verliehen. Welche Bedeutung haben solche Auszeichnungen für Innovation und gesellschaftliches Engagement?
Innovation lebt von Vorbildern. Gerade im hochdynamischen KI-Zeitalter brauchen wir mehr denn je Menschen, die Chancen erkennen, Verantwortung übernehmen und einen Unterschied machen. Mit dem Bayerischen Digitalpreis zeichnen wir genau solche Zukunftsmacherinnen und Zukunftsmacher aus. Dabei geht es weniger um den Preis selbst, sondern darum, Geschichten sichtbar zu machen, die andere inspirieren. Fortschritt verbreitet sich oft wie ein gutes Start-up: Er beginnt klein, begeistert Menschen und wächst dann exponentiell. Deshalb feiern wir mit unserer B.Digital-Auszeichnung nicht nur Technologien – sondern vor allem die Menschen dahinter.
Könnten Sie sich vorstellen, künftig auch einen Preis oder eine besondere Auszeichnung für herausragenden Einsatz im Bereich der außerschulischen MINT-Bildung zu etablieren?
Die Idee finde ich ausgesprochen spannend. Wer junge Menschen für Technik, Naturwissenschaften und Digitalisierung begeistert, investiert in die wichtigste Ressource, die Bayern hat: kluge Köpfe für morgen. Als Schirmherr von „MINT Zukunft schaffen“ und bei der Auszeichnung Digitaler Schulen erlebe ich immer wieder, wie viel Engagement es vor Ort gibt. Gute Ideen verdienen Aufmerksamkeit, denn Anerkennung ist oft der Anfang der nächsten Erfolgsgeschichte.
Wenn Sie auf Bayern im Jahr 2035 blicken: Wie sieht aus Ihrer Sicht ein ideales Ökosystem für MINT-Bildung, digitale Teilhabe und Nachwuchsförderung aus?
Mein Wunsch ist ein Bayern, in dem jedes Kind, unabhängig von Wohnort oder Herkunft, Zugang zu modernster Bildung und digitaler Teilhabe hat. Ein Bayern, in dem Schulen, Hochschulen, Makerspaces, Unternehmen und Forschung selbstverständlich zusammenarbeiten und Projekte wie unser Pilot-Makerspace in Höchstädt längst zum Standard geworden sind. Ein Bayern, das die besten Talente nicht importieren muss, weil wir sie selbst ausbilden. Kurz gesagt: Ich wünsche mir ein Bayern, das digitale Zukunft nicht verwaltet, sondern gestaltet – wirtschaftlich stark, technologisch souverän und menschlich liebenswert. Denn Technologie ist niemals Selbstzweck. Sie ist dann erfolgreich, wenn sie das Leben der Menschen besser macht. Das ist für mich der Kompass guter Digitalpolitik – heute und auch noch im Jahr 2035!




