Seit sich der MINTraum bayern 2022 auf den Weg gemacht hat, für mehr Koordinierung und Vernetzung in der bayerischen MINT-Szene zu sorgen, unterstützt die Vogel Stiftung Dr. Eckernkamp das vom Staatsministerium für Unterricht und Kultus geförderte Projekt. Stiftungsvorstand Prof. Dr. Gunther Schunk spricht über seine persönliche Verbindung zu MINT, die Bedeutung von MINT-Bildung für Demokratie und gesellschaftlichen Dialog sowie die Rolle engagierter Netzwerke in der MINT-Förderung. Er gibt Tipps, worauf Stiftungen bei Förderprojekten achten – und blickt mit Vorfreude auf das Bundesfinale von Jugend forscht, für das er 2027 Gastgeber ist.
Sie sind Geisteswissenschaftler. Was ist Ihre ganz persönliche Verbindung zu MINT?
Meine Leistungskurse in der Schule waren Biologie und Altgriechisch. Das war für mich eine sehr hilfreiche Kombination, um in meinem geisteswissenschaftlichen Studium immer auch die Bedeutung der Naturwissenschaften zu sehen. MINT-Kompetenzen bauen Zukunft – und die muss mit Verantwortung und Erklärung eingeordnet werden.
Warum ist die Förderung von MINT-Kompetenzen – gerade bei jungen Menschen – aus Ihrer Sicht wichtig?
Schauen Sie sich um: Die Welt explodiert förmlich vor technischen Entwicklungen und damit durch MINT-Themen. Diese muss die nächste Generation verstehen, koordinieren und für eine bessere Welt anwenden. Den Spaß daran sollten wir wecken!

In einer Zeit, in der Desinformation und unwissenschaftliche Behauptungen schnell Verbreitung finden: Welche Bedeutung hat MINT-Bildung auch für die demokratische Teilhabe junger Menschen?
Nur was nachvollziehbar und in Versuchen reproduzierbar ist, kann Basis einer Behauptung und damit Teil des Dialogs sein. Diese Denke ist eine grundlegende Voraussetzung für unseren pluralistischen Dialog. Alternative Fakten, Lügen und Verschwörungstheorien sind kein hilfreicher Beitrag in einer Demokratie. Junge Forschende werden künftig ein noch wichtigerer Teil unseres demokratischen Dialogs werden.
Die Vogel Stiftung Dr. Eckernkamp fördert von Beginn an den MINTraum bayern beim Aufbau der Landeskoordinierungsstelle für MINT-Bildung. Was überzeugt Sie an der Idee?
Die Basis der digitalen Denke ist Vernetzung. Die vielen MINT-Aktivitäten zusammenzuführen und damit Kompetenzen bestmöglich zu bündeln und der Nutzung zuzuführen, ist eine sehr wirkungsvolle Idee. Genau diese wertvolle Vernetzung passiert durch den MINTraum bayern. Sie zeigt, wie viel in diesem Bundesland schon geleistet wird und was uns allen an Kompetenzen zur Verfügung steht.

Der MINTraum bayern unterstützt die MINT-Regionen gezielt durch Vernetzung und Qualifizierung, damit MINT-Angebote bayernweit sichtbar gebündelt und Zugänge vereinfacht werden. Wo sehen Sie aus Sicht eines Förderers die entscheidenden Hebel, damit aus dieser regionalen Unterstützung auch eine dauerhafte, aktive Teilhabe der Menschen vor Ort entsteht?
Die Zeit ist reif, dass auch andere Akteur*innen die MINT-Bildung in den Regionen unterstützen und so bayernweit das große Potenzial verfügbar machen und zur Anwendung bringen. Ich denke da vor allem an Unternehmen. Die Stichworte lauten: Branchennachwuchs, Weiterbildung und ganz generell Employer Branding (Anm.: ein Unternehmen als Arbeitgebermarke aufbauen). Aber auch in der internen Kommunikation lässt sich das sehr gut sichtbar machen.
Viele Initiativen sind auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Was raten Sie Organisationen, die eine Stiftung für ein Projekt gewinnen möchten?
Stiftungen freuen sich immer, wenn Sie ihrem satzungsgemäßen Auftrag nachkommen können! Daher muss man die richtigen, passenden Stiftungen ansprechen, die sich um Bildung und Forschung kümmern. Eine transparente Kommunikation und amtliche Nachweise, z.B. durch Zertifikate, die eine hohe Arbeitsqualität attestieren, helfen Stiftungen bei ihrer Entscheidung. Und nicht zu vergessen: Praktische Einblicke, wie zum Beispiel ein Schulbesuch mit MINT-Experimenten in einer Schulklasse mit allen (!) Schüler*innen überzeugen endgültig jeden, wie sinnvoll eine MINT-Initiative ist.
Wie wichtig ist es für eine Stiftung, wenn eine Initiative nicht nur eine gute Idee hat, sondern auch langfristige Perspektiven und messbare Wirkungen aufzeigen kann?
Stiftungen wollen anstiften, sich aber meist nicht dauerhaft binden, um immer wieder auch neue Projekte anstoßen zu können. Mit einer dokumentierten Weiterentwicklung, hoher Arbeitsqualität und messbaren, nachvollziehbaren Ergebnissen fällt es einer Stiftung leichter, ein Projekt weiter zu unterstützen. Schließlich muss sie stets darauf achten, dass ihre Mittel möglichst wirkungsvoll eingesetzt werden
Ein bekanntes Beispiel, das all diese Punkte vereint, ist Jugend forscht. 2027 findet das Bundesfinale bei Ihnen im Vogel Convention Center statt. Was bedeutet das für den Wissenschafts- und Bildungsstandort Würzburg, für Bayern, Gastgeber dieser Veranstaltung zu sein?
Der Stellenwert eines solchen Bundesfinales ist riesig. Über 120 junge Forschende in mehreren Kategorien zeigen originelle Projekte und Denkansätze, um Zukunft durch neue Projekte zu gestalten. Wir liegen mitten in Europa und führen aus allen Regionen Deutschlands Forschende zusammen. Die Strahlkraft wird sich auf Würzburg auswirken, alle Bildungsakteure in der Region werden sich noch stärker vernetzen und gleichzeitig strahlt aus Würzburg deutschlandweit ein positives Zukunftssignal aus. Wer weiß, ob nicht auch einige der Finalteilnehmenden dann in Würzburg studieren wollen? Nicht zu vergessen, dass sich Schüler*innen am Publikumstag die vielen Ideen anschauen können und dadurch in unserer Region das Interesse an MINT-Themen steigt!

Was wünschen Sie sich vom Bundesfinale von Jugend forscht – für die jungen Forscher*innen, aber auch für die ganze MINT-Community und die Öffentlichkeit?
Ich wünsche mir, dass sich alle Beteiligten – von den Forschenden über die Unternehmen und die Jury bis zu den Besucher*innen – von dem guten Signal anstecken lassen und mit positiver Energie und Haltung die gewaltigen Veränderungen in unserer Welt annehmen und anpacken. Wir müssen unser Image ablegen, das Deutschland das „global headquarter of pessimism“ ist. Wir haben guten Wissenschaftsnachwuchs, den müssen wir unterstützen und dafür noch viel mehr Interesse bei den jungen Menschen wecken. Denn: Forschung ist die einzige gute Antwort, die Zukunft verantwortungsvoll und gut für die Menschen zu gestalten!
