MINTraum bayern: Wie durch regionale Netzwerke landesweit Wirkung entsteht
Würzburg. MINT-Bildung gilt als einer der entscheidenden Schlüssel für die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft – gerade auch mit Blick auf den wachsenden Fachkräftebedarf in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. In Bayern wird deshalb seit einigen Jahren gezielt daran gearbeitet, regionale MINT-Netzwerke zu stärken und Bildungsangebote besser miteinander zu verknüpfen. Die Initiative junge Forscherinnen und Forscher e.V. (IJF), unter deren Dach die Landeskoordinierungsstelle für alle bayerischen MINT-Regionen, der MINTraum bayern, arbeitet, hat diese Entwicklung maßgeblich begleitet. Wie das bayernweite Netzwerk entstanden ist, was sich seit Gründung der Landeskoordinierungsstelle getan hat und welche Hürden es bis zu einer flächendeckenden Vernetzungsstruktur für MINT-Bildung noch gibt, verrät IJF-Geschäftsführer und MINTraum-Leiter Christoph Petschenka im Gespräch.
Wie sind die ersten MINT-Regionen in Bayern entstanden?
Die Geschichte begann vor etwa 15 Jahren. Auch damals gab es schon an vielen Orten in Bayern engagierte MINT-Akteur*innen – zum Teil auch ehrenamtlich. Sie waren aber noch nicht hinreichend miteinander vernetzt, was dazu führte, dass zum Teil sogar innerhalb eines Landkreises die Angebote unzureichend aufeinander abgestimmt waren. Beispielsweise gab es mehrere Angebote für Kinder im Grundschulalter, aber nichts im Bereich der Sekundarstufe I, dafür wiederum mehrere in der Sekundarstufe II. Kurz gesagt: Eine sinnvolle Einbindung in die Bildungskette war nicht überall gegeben. Der Impuls, die Kommunikation zu verstärken, war mehr oder minder die Geburtsidee zum Aufbau der MINT-Regionen in Bayern. Und daran arbeiten wir seit 2013. Je mehr MINT-Regionen entstanden sind, umso mehr drängte sich aber auch die Frage auf, wie wir sie sinnvoll untereinander vernetzen.

Bis der MINTraum bayern schließlich entstanden ist, vergingen noch einige Jahre – 2022 fiel der offizielle Startschuss. Die Projektträgerschaft für die Landeskoordinierungsstelle hat das Kultusministerium der IJF übertragen. Was bedeutete das für die Mission von damals?
Das war ein Riesenschritt. Alle 30 MINT-Regionen und MINT-Cluster standen nun unter einem gemeinsamen Dach – nämlich dem der Landeskordinierungsstelle, die aus Mitteln des Freistaats Bayern finanziert wird. Auf dem Weg dorthin gab es sicher auch ein paar dicke Bretter zu bohren, aber dafür haben alle Beteiligten sehr genau hingeschaut: Was wollen wir erreichen? Wie sieht die Qualität aus? Welche langfristigen Visionen und Strategien haben wir?

Und was hat sich seitdem getan?
Wir haben eine sehr enge und professionelle Kommunikation über unsere beiden Referentinnen aufgebaut – einerseits in die Bundesebene, aber auch in die MINT-Regionen hinein. Das sorgt für einen kontinuierlichen Informationsfluss in beide Richtungen, aber vor allem ist ganz viel Vertrauen gewachsen. Niemand macht sich Sorgen, die eigenen Inhalte oder die eigene Finanzierungsstruktur offenzulegen, um voneinander zu lernen. Um es bildlich auszudrücken: Die MINT-Regionen haben ihren Werkzeugkoffer geöffnet und davon profitieren alle.
Wie sieht der MINTraum bayern heute aus und welche Rolle übernimmt die Landeskoordinierungsstelle konkret?
Die 30 MINT-Regionen und MINT-Cluster decken weite Teile Bayerns ab, wir haben allerdings noch keine komplett flächendeckende Struktur. Für alle, die bereits mit an Bord sind, bietet der MINTraum bayern eine Plattform für den gegenseitigen Austausch. Dafür organisieren wir regelmäßige Netzwerktreffen an verschiedenen Orten in Bayern und haben ein digitales Tool für alle MINT-Manager*innen eingerichtet. Viele Fragen tauchen in der persönlichen Begleitung der MINT-Regionen auf. Läuft etwa eine Förderung aus, können wir fachlich beraten und gemeinsam überlegen, wie wir daran anknüpfen. Gibt es Herausforderungen in der örtlichen Zusammenarbeit, können wir die MINT-Region in ihrer Argumentation unterstützen. Und nicht zuletzt bringen wir natürlich spannende Informationen von der Bundesebene mit nach Bayern.
Das Ziel einer flächendeckenden Struktur von MINT-Regionen haben Sie selbst schon genannt. Welche Herausforderungen sehen sie dabei, die weißen Flecken auf der Landkarte noch zu füllen?
Ich glaube, die größte Herausforderung ist es, die Vertreter*innen der jeweiligen Kommunen und Landkreise, die politische Ebene, die Wirtschaft, Wirtschaftsverbände und Stiftungen zu überzeugen, dass nur die gemeinsame Anstrengung zum Erfolg führt. Es muss ein Bewusstsein geben, dass eine MINT-Region für eine Region wirklich wichtig ist. Mir ist bewusst, dass die Mittel für Leistungen im Bereich der MINT-Bildung in der gegenwärtigen Situation nicht ganz einfach zu gewinnen sind. Dennoch ist wichtig, dass wir über Lippenbekenntnisse hinauskommen. Wir brauchen MINT-Bildung – auch für die Zukunftsfähigkeit unseres Wirtschaftsstandortes. Mein Ziel ist, dass wir das bayernweit hinbekommen und perspektivisch im Schulterschluss mit unseren Partner*innen aus Politik und Wirtschaft, von Stiftungen und aus den Kommunen/Landkreisen eine landesweite Strategie entwickeln.

Stichwort Strategie: Wo stehen denn der MINTraum bayern und die MINT-Regionen im Jahr 2030?
Eine gute Frage. Zum einen ist es ja gar nicht mehr so lange hin – vier Jahre vergehen schnell. Bezogen auf die Landeskoordinierungsstelle ist meine Vision, dass sie weiterhin durch den Freistaat Bayern so stabil finanziell ausgestattet ist, dass sie ihre Aufgaben erfüllen und bestenfalls ausdehnen kann. Noch wichtiger sind aber die MINT-Regionen, denn dort geschieht die tatsächliche Arbeit: Es wäre toll, wenn wir bis 2030 eine übergreifende Strategie und einen Finanzierungsplan hätten, unter denen die MINT-Regionen in ihrer hohen Qualität arbeiten können. Das in vier Jahren zu erreichen, ist möglich, aber durchaus ambitioniert.
Zuletzt noch ein Blick in die weitere Zukunft: Welche Möglichkeit hat denn außerschulische MINT-Bildung, um die Fachkräftelücke im MINT-Bereich zu schließen?
Die Chance ist groß, hier signifikant voranzukommen, wenn wir den Weg im Schulterschluss mit Politik und Wirtschaft gehen. Ich bin überzeugt: MINT-Bildung braucht Partnerschaften – übrigens auch zu den Eltern, wenn wir bei der Berufsorientierung wirklich etwas erreichen wollen. Es braucht also das Zusammenspiel von vielen Akteur*innen. Aber wenn ich auf die vielen jungen Menschen blicke, gerade auch aus finanziell benachteiligten Familien, für die wir Chancengeber sein können, muss ich sagen: Die Anstrengung lohnt sich.

